Burschenschaft - gestern
Die burschenschaftliche Bewegung verstand sich von Ihrer Gründung im Jahre 1815 an als national-freiheitliche Studentenbewegung.
National dahingehend, dass sie den kleinstaatlichen deutschen Flickenteppich zu einem Reich im Sinne von Ernst Moritz Arndt („soweit die deutsche Zunge klingt“) vereinigen wollte.
Freiheitlich dahingehend, dass dieser Staat auf einer für alle geltenden Verfassung gegründet werden sollte, in der vor allem Rede- und Pressefreiheit, sowie die Gleichheit vor dem Gesetz vorgesehen war.
Diese Forderungen wurden über die Jahrzehnte hinweg immer wieder in die Öffentlichkeit getragen und damit Nachdruck verliehen (Wartburgfest 1817, Hambacher Fest 1832, Frankfurter Wachensturm 1833).
Auch an der Revolution 1848/49 waren Burschenschafter maßgeblich beteiligt, was sowohl an der Zusammensetzung des Paulskirchenparlaments (bis zu 156 Burschenschafter), als auch aus der Tatsache abzulesen ist, dass sogar der Präsident dieses Gremiums (Heinrich von Gagern) der burschenschaftlichen Bewegung angehörte.
Mit der Gründung des Kaiserreiches 1871 glaubten nicht wenige Burschenschafter innerhalb des Reiches, dass das eigentliche Ziel der Burschenschaft erreicht sei und sie deshalb keine Existenzberechtigung mehr hätten.
Erst mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges trat die vaterländisch-politische Bildungsarbeit wieder in den Vordergrund. Etwa 3.500 Burschenschafter starben für das Vaterland.
Die Weimarer Republik war für die Burschenschaften von großem Mitgliederzulauf und einer wiedereinsetzenden Politisierung geprägt.
Diese fand in der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 ihr vorläufiges Ende. Auf Geheiß der NSDAP wurde in den Burschenschaften zunächst das basisdemokratische Conventsprinzip durch das „Führerprinzip“ ersetzt. Diejenigen Burschenschaften, die sich nicht selbst auflösten, wurden schließlich verboten und in sog. Kameradschaften umgewandelt.
Zum ersten überregionalen Treffen nach dem 2. Weltkrieg kam es im Mai 1949 in Gießen. Dort nahmen 19 burschenschaftliche Verbindungen teil. Nachdem viele Burschenschaften in den 50er Jahren großen Mitgliederzuwachs zu verbuchen hatten, machte es das geistige Klima, das durch die 68er-Bewegung in die Universitätsstädte getragen wurde und das von der Abkehr jeglichen Traditionsbewusstseins und positivem Heimatbezug gekennzeichnet war, nicht wenigen Burschenschaften schwer zu schaffen.
Doch auch diese Zeit hat die burschenschaftliche Bewegung gemeistert und nach dem ersehnten Mauerfall des Jahres 1989 und der darauffolgenden Wiedervereinigung nutzten viele nach Westdeutschland „ausgewanderte“ Burschenschaften die Gelegenheit, um in ihre angestammten Universitätsstädte zurückzukehren.
Weitere Informationen findet ihr unter: www.burschenschaft.de
Was macht eine Burschenschaft heute aus? Lese dazu Burschenschaft - heute