Burschenschaftliche Geschichte

Die Burschenschaft Libertas wurde am 18. Januar 2009 gegründet. Sie hat daher natürlich keine lange eigene Geschichte. Dennoch soll an dieser Stelle ein kurzer Überblick über die fast zweihundertjährige Geschichte der burschenschaftlichen Bewegung versucht werden. Aus der Vergangenheit erwächst die Zukunft und wir Liberten empfinden uns als der großen burschenschaftlichen Vergangenheit und Tradition zutiefst verbunden. Nur bei der Betrachtung dieser Vergangenheit kann dem zeitgenössischen Betrachter unser Sinnen und Trachten klar werden.

Vorgeschichte: Vom Ende des Alten Reiches bis zum Wiener Kongress

Am 6. August 1806 hatte der Habsburger Kaiser Franz II. die Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation niedergelegt, nicht ohne sich zuvor als Herrscher des Kaisertums Österreich den kaiserlichen Status zu sichern. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das erste Reich der Deutschen, das fast zehn Jahrhunderte überdauert hatte, hatte von einem Tag auf den anderen aufgehört zu existieren. Dieses Reich hatte, so schwach es seit dem Dreißigjährigen Kriege auch gewesen war, die letzte staatliche Einheit der deutschen Fürstentümer dargestellt. Nun lag das Land schutzlos vor den siegreichen Armeen Napoleons, der zuvor bereits die Abtretung des linken Rheinufers erzwungen hatte und der nun mit militärischer Macht daranging, Deutschland nach seinen Vorstellungen neu zu ordnen. Waren die französischen Revolutionsarmeen anfänglich in Deutschland teilweise sogar als Befreier von der Fürstenmacht begrüßt worden, so war die militärische Besetzung des größten Teils Deutschlands nun eine Plage für das Volk. Neben den ungeheuren materiellen Verlusten, die die Einquartierung der mächtigsten Armee Europas den Deutschen aufbürdete, wog der Verlust der nationalen Freiheit und Eigenständigkeit noch schwerer. In Nürnberg veröffentlichte der Buchhändler Palm die Schrift „Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung“. Da man des anonymen Autors nicht habhaft werden konnte, hielt man sich an Palm: Er wurde am 26. August 1806 erschossen.

In der folgenden Zeit wurde der Gedanke an die Wiederherstellung der deutschen Einheit und Freiheit immer stärker. In Tirol erhoben sich 1809 die Bauern unter Andreas Hofer gegen die Franzosen und die mit ihnen verbündeten Bayern. In Preußen kämpfte zur gleichen Zeit das Freikorps des Majors von Schill. Als 1812 der Rußlandfeldzug Napoleons an der Weite des Landes, der erbarmungslosen Winterkälte und der geschickten Rückzugstaktik der russischen Truppen scheiterte, war dies das Signal, die Wiederherstellung eines freien Deutschlands zu erkämpfen. Am 17. März 1813 unterzeichnete König Friedrich Wilhelm III. den Aufruf „An mein Volk“, der seine Preußen zu den Waffen rief. In Breslau stellte der Freiherr von Lützow sein berühmtes Freikorps auf, dem Freiwillige aus ganz Deutschland zuströmten. Diese Einheit konnte zwar militärisch keine allzu großen Erfolge erringen, aber durch ihren gesamtdeutsch-vaterländischen Geist und die Berühmtheit ihrer Mitglieder wie Jahn, Eichendorff oder Theodor Körner konnte sie großen geistigen Einfluss gewinnen. Als der antinapoleonischen Allianz auch Österreich hinzutrat, wendete sich das Blatt für Napoleon endgültig. Nach seiner Niederlage in der Völkerschlacht von Leipzig fielen seine unfreiwilligen Verbündeten reihenweise von ihm ab, und bald darauf betraten deutsche Truppen französischen Boden. Militärisch geschlagen musste Napoleon in die Verbannung auf Elba gehen und sein Versuch einer Rückkehr wurde 1814 auf den Feldern von Waterloo nach nur 100 Tagen ein Ende gesetzt. In der Zwischenzeit hatte in Wien der als „Wiener Kongress“ in die Geschichte eingegangene Fürstenkongress begonnen, der Europa nach den Verheerungen der großen Kriegszüge und den gewaltigen Umwälzungen neu ordnen sollte. Sein oberstes Prinzip war das Paradigma der Legitimität, sodass er die von der französischen Revolution in Frage gestellte monarchische Herrschaft neu befestigte. Das alte deutsche Reich hingegen wurde nicht wiederhergestellt: An seine Stelle trat der Deutsche Bund, ein loses Verteidigungsbündnis, in dem die einzelnen Fürsten ihre volle Souveränität behielten und auch ausländische Herrscher, wie der englische König (in Personalunion mit Hannover) Mitspracherecht hatten.